Gewalt und ihre Folgen

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FORMEN UND FOLGEN VON GEWALT

Es ist wichtig zu wissen, dass Gewalt an Kindern und Jugendlichen mehr ist als Ohrfeigen, Schläge, grobes Angreifen und andere Formen körperlicher Gewalt. Gewalt in der Erziehung spielt sich auf vielen Ebenen ab.


Hierzu gehören neben körperlicher Gewalt auch psychische/seelische Gewalt, emotionale, körperliche sowie erzieherische Vernachlässigung und sexuelle Gewalt. Auch wenn Kinder und Jugendliche Gewalt zwischen ihren Eltern miterleben müssen, stellt das eine Form von Gewalt dar.

Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist für diese immer belastend, sehr oft dramatisch und kann lebenslange gravierende Folgen für die Betroffenen haben.

FORMEN VON GEWALT

Was versteht man alles unter Gewalt in der Erziehung?

Körperliche Gewalt:

Körperliche Misshandlungen sind nicht zufällige Verletzungen. Großteils entstehen sie in Situationen der Überforderung und Hilflosigkeit der Eltern. Erwachsene üben körperliche Gewalt an Kindern in verschiedenen Formen aus:

  • Ohrfeigen,
  • an den Haaren reißen,
  • Schläge mit oder ohne Verwendung von Gegenständen,
  • Zwicken, Quetschen,
  • Treten,
  • Schütteln des Kindes,
  • Stechen, Schneiden,
  • Einflößen giftiger und/oder ekelerregender Substanzen,
  • Würgen, Ersticken,
  • Verbrennen (auch durch das Austöten von Zigaretten auf der Haut), Verbrühen, Unterkühlen.

Straftatbestände: Bei körperlicher Gewalt können die gerichtlich strafbaren Tatbestände der Körperverletzung – §§ 83, 84, 87 und 88 Strafgesetzbuch (StGB) erfüllt sein.


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Fotos: istockphoto.com

Seelische Gewalt:

Seelische Gewalt liegt vor, wenn dem Kind durch Demütigung und Herabsetzung oder durch unangemessenen Leistungsdruck ein Gefühl der Ablehnung vermittelt wird.


Ebenso

  • Beschimpfungen,
  • Wutanfälle,
  • Drohungen,
  • Einsperren,
  • Partnergewalt, die Kinder im familiären Umfeld miterleben müssen,
  • Miteinbezogen-Werden in Beziehungskonflikte,
  • Problematisch: extrem behütendes und fürsorgliches Verhalten, wenn es Ohnmacht, Wertlosigkeit und Abhängigkeit vermittelt.


Straftatbestände: Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen, § 92 StGB; Nötigung, § 105 StGB.


Vernachlässigung

Vernachlässigung zeigt sich durch wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns, welches für die grundlegenden körperlichen und seelischen Bedürfnisse und die Versorgung des Kindes notwendig wäre. Vernachlässigung ist oft ein Hinweis auf soziale Probleme in einer Familie und kann durch Arbeitslosigkeit, materielle Not, Krankheit, Suchtprobleme oder schlechte Wohnverhältnisse entstehen. Besonders gefährdet sind auch ungewollte Kinder oder Kinder mit einer Behinderung.


Hinweise zur Früherkennung:

  • Mangelnde Körperpflege,
  • verschmutzte Kleidung,
  • Unterernährung,
  • Entwicklungsrückstände,
  • Ausreißen von zu Hause,
  • auffallende Distanzlosigkeit Fremden gegenüber,
  • mangelnde Aufsicht,
  • mangelnder Schutz vor Gefahren.

Straftatbestände: Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen § 92 StGB.

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Fotos: istockphoto.com

Sexuelle Gewalt:

Unter sexueller Gewalt an Kindern versteht man sexuelle Handlungen Erwachsener und Jugendlicher an und mit einem Kind oder Jugendlichen, wobei der/die Erwachsene Minderjährige als Objekt zur Befriedigung eigener sexueller Bedürfnisse benützt. Abhängigkeit, Macht und Nähe werden gezielt eingesetzt, um Druck auszuüben oder die Loyalität und das Vertrauen des Kindes auszunutzen. Sexuelle Gewalt an Kindern geschieht zum überwiegenden Teil im engeren Familien- und Bekanntenkreis. Nur wenige der von sexuellem Missbrauch Betroffenen werden Opfer von FremdtäterInnen.


Beispiele:

  • Intime Berührungen von Penis, Scheide, Klitoris, Po oder Brust eines Kindes,
  • Masturbieren in Anwesenheit eines Kindes,
  • Berührung der Genitalien des Erwachsenen,
  • Reiben der Geschlechtsorgane am Körper eines Kindes,
  • Eindringen in Scheide oder After eines Kindes mit Finger(n), Penis oder Fremdkörpern,
  • Orale sexuelle Handlungen,
  • Zusehen müssen bei sexuellen Handlungen Erwachsener,
  • Ansehen müssen von pornografischem Material,
  • Pornografische Aufnahmen mit Kindern,
  • Kinderprostitution


Straftatbestände: §§ 201 – 220 StGB


Ehre und Glauben:

Gewalt kann auch durch eine ganz spezielle Art der Wertvorstellungen geprägt sein. Die Bedürfnisse und Wünsche des Einzelnen werden den Wertvorstellungen oder kulturellen Traditionen untergeordnet und autoritär durchgesetzt. Seelische und körperliche Gewalt bis hin zum Suizid/Mord werden zur Durchsetzung der Autorität geduldet, wenn es einem höheren Ziel dient (z. B. in Religionen).


Ein Beispiel dafür sind die sogenannten „Ehrkulturen“. Die Ehre wird mit der körperlichen Unversehrtheit des Jungfernhäutchens und damit der charakterlichen Reinheit des Mädchens gleichgesetzt. Dabei wird es als Aufgabe des Familienoberhauptes sowie der männlichen Familienmitglieder gesehen, diese zu bewahren. Aus sogenannten traditionellen oder religiösen Gründen werden Gewaltformen wie Zwangsheirat, Beschneidung oder Genitalverstümmelung gerechtfertigt.


Gewalt in diesem Kontext kann sich auch dadurch zeigen, dass Kindern und Jugendlichen der Umgang mit Gleichaltrigen aus einer anderen Kultur komplett untersagt oder weitestgehend verboten wird bzw. Jugendliche nicht ihrem Alter entsprechend eigene Entscheidungen treffen und eigene Wege gehen dürfen.


Straftatbestand: Nötigung zur Eheschließung (§ 106 Abs. 1 Z 3 StGB) + Körperverletzung und Genitalverstümmelung

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Foto: istockphoto.com

Institutionen:

Macht und Gewalt tritt nicht nur im persönlichen Kontext auf. Sie kann in allen Institutionen der Erziehung, Bildung, Freizeit und psychosozialen und gesundheitlichen Versorgung stattfinden, in denen Kinder und Jugendliche betreut werden.


Gewalt in Institutionen kann sich in Form von ungeeigneten Wohn- und Arbeitsräumen zeigen, der Verweigerung von Rechten, willkürlichen Regelsetzungen sowie der Missachtung der Privatsphäre und inadäquaten Betreuungskonzepten. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen „KlientInnen“ bzw. „PatientInnen“ und „Fachleuten“ schafft eine potenzielle Voraussetzung für Grenzverletzungen und Machtmissbrauch. Deshalb ist es besonders in Institutionen wichtig, in gemeinsamer Verantwortung Sensibilität für potenzielle Gefahrenmomente zu entwickeln.

FOLGEN VON GEWALT

Die Auswirkungen von Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind vielschichtig und können Traumatisierungen und Schädigungen nach sich ziehen. Hierbei spielen beispielsweise das Alter des Kindes, das Ausmaß der Misshandlung sowie deren Dauer und Häufigkeit eine Rolle.


Schwere Formen der körperlichen und auch seelischen Gewalt an Kindern können zu unmittelbaren Verletzungen, lebenslangen Beeinträchtigungen, einer verkürzten Lebensdauer oder unmittelbarem Tod führen. Gewalt an Kindern und Jugendlichen kann Auswirkungen auf die Entwicklung ihres Gehirnes, auf ihr Immunsystem und ihr Hormonsystem haben. Die Wahrscheinlichkeit, eine psychische Erkrankung zu entwickeln oder drogenabhängig zu werden, steigt. Je jünger ein Kind ist, desto deutlicher und schneller sind die Folgen von Gewalt erkennbar.


Signale erkennen:

  • Schlafstörungen, Albträume, diffuse unerklärliche Ängste
  • Sozialer Rückzug, Angst vor Fremden, keine gleichaltrigen FreundInnen
  • Vermehrt aggressive Verhaltensweisen
  • Zwänge wie z. B. Waschzwang oder Ordnungszwang
  • Vernachlässigung des Äußeren, das Kind wirkt ungepflegt und schlampig
  • Depression
  • Essstörung
  • Gestörtes Selbstkonzept
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Delinquentes Verhalten
  • Suchtverhalten
  • Psychosomatische Krankheiten
  • Schulprobleme
  • Wiederholen von sexuellen Situationen mit Puppen, in Zeichnungen, mit FreundInnen
  • Imitieren des Sexualverhaltens von Erwachsenen; neue ungewöhnliche Namen für Genitalien
  • Sexualisierte Sprache, u.a.m.


Gewalt an Kindern

Information-Prävention-Hilfsangebote, 2016


Die Informationen auf dieser Seite sind der Broschüre der Kinder- und Jugendanwaltschaft entnommen.


Kostenlose Bestellmöglichkeit: kija.ktn.gv.at/info-downloads